Noch bis in die 2000er Jahre brauchten sich Angehörige keine Gedanken zu machen über die Frage, wie die Beerdigung, die Bestattung und das Grab gestaltet werden sollen. Die gewachsenen Traditionen vor Ort wie Requiem (Messfeier in der Pfarrkirche) und Sargbestattung waren Halt und Stütze.
Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Ein Beispiel dafür ist die „Ewigkeitsspirale“, die 2024 durch eine Idee von Pfarrer Alexander Kohl errichtet wurde.
Heute können Angehörige vieles selbst entscheiden: Sarg oder Urne, Liedauswahl, Grabgestaltung. Der Friedhof ist dabei nicht nur ein Ort der Tradition, sondern auch ein Ort, an dem sich die Veränderungen unserer Zeit ablesen lassen.
bis 1789
Bestattungen im Alten Friedhof
bis 1789
Wegen Platzmangels Exhumierung der Toten nach wenigen Jahren, Auskochen der Gebeine und Aufbewahrung im Gebeinhaus
ab 1789
Bestattung im neuen Friedhof
1934
Erste Urnenbeisetzung: Die Asche von Otto Segl wird in der Kapelle am Harlachberg bestattet.
bis 1938
Aufbahrung der Toten zu Hause
ab 1938
Aufbahrung im Leichenhaus
bis 1950er
Feierlichkeit der Bestattung richtet sich nach dem Ansehen des Toten
ab 1950
Schlichte, alte Grabmale werden ersetzt durch großzügige Grabmalanlagen, oft aus exotischen Steinen
ab 1963
Das Verbot der Einäscherung für Katholiken wird aufgehoben.
ab 1983
Neues Kirchenrecht: kein genereller Ausschluss vom katholischen Begräbnis bei Suizid (pastorale Beurteilung).
ab 1990
Urnenbestattungen nehmen zu
ab 2000er
Die Bestattungen werden vielfältiger und richten sich nicht mehr nur nach den Traditionen
Wer hier am großen Friedhofskreuz steht, hat eine klare Sicht auf den Silberberg. Über Jahrhunderte prägte er das Leben in Bodenmais: harte Arbeit unter Tage, Gefahr und Entbehrung, aber auch Zusammenhalt und Stolz der Bergleute. Viele von ihnen fanden hier am Friedhof ihre letzte Ruhe.
Lied: Herr, behüte mich
Video laden
Sie werden zu Youtube weitergeleitet
„Herr, behüte mich“ Text und Musik: Eveline Vogl, gesungen vom Kinder- und Jugendchor „Cantus Laudis“ der Pfarrei unter der Leitung von Eveline Vogl.
Das Kreuz, Sinnbild des Leidens und zugleich der Auferstehung, verbindet sich mit dem Berg, Symbol für das mühsame Leben der Menschen. So wird aus der Sichtachse ein Hoffnungszeichen: Wie der Berg die Landschaft prägt, so prägt der Glaube an Christus die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.
Legende: Irrlichter am Silberberg
Aus einem Stollen am Silberberg kam einst grünes Wasser hervor. Dort sollte es noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg geweihrazt (gespukt) haben. Man sah dort des Öfteren in den Nächten nach Allerheiligen kleine Lichter umherfliegen. Damals waren einige Bergmänner bei einem Unfall von einem Felsen erdrückt worden. So kam der Pfarrer mit zwei Ministranten, um den Opfern die Sterbesakramente zu spenden. Sie gingen hinein, doch kamen auch sie nicht mehr aus dem Stollen heraus. Wo sie abgeblieben sind, weiß bis heute keiner. Seit diesem Ereignis hatte man dort immer wieder kleine Lichter gesehen.
„wahrhaft elende Zustand der hiesigen Bergkappelle, daß sie ohne wohl mögliche Hülfe täglich dem Einsturze droht“
Andreas Fuhrmann wies 1801 auf den schlechten Zustand der alten Pfarrkirche hin, die kurz darauf neu errichtet wurde.
Liegende Grabsteine, wie dieser Grabstein hier, kennzeichneten den Verstorbenen oft als angesehene Persönlichkeit seiner Heimatgemeinde. Das Grab von Andreas Fuhrmann – eines von zwei Bodenmaiser Gräbern mit liegenden Grabsteinen – erinnert an eine Persönlichkeit, die das Leben in Bodenmais in besonderer Weise geprägt hat.
Andreas Fuhrmann (1772 – 1844) stammte aus Viechtach und begann 1794 als Praktikant im Bergwerk von Bodenmais. Schon bald fiel er durch Fleiß und Können auf. Trotz harter Ausbildung in den Stollen wurde er 1801 zum Oberverweser und später zum Bergmeister ernannt.
Einsatz für Bodenmais
Fuhrmann engagierte sich nicht nur für den Bergbau, sondern auch für die Menschen vor Ort. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara gründete er eine Spinnerei, um armen Frauen Arbeit zu geben. Zudem baute er eine bedeutende Mineraliensammlung auf, die später vom Königreich Bayern übernommen wurde und europaweit Beachtung fand.
Beliebter Mitbürger
Andreas Fuhrmann galt als nahbarer und beliebter Vorgesetzter, der den Bergleuten menschlich begegnete. Sie dankten es ihm mit Liedern und Verehrung. Sein Wirken machte ihn zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Bodenmaiser Bergbaugeschichte.
Fuhrmann-Preis
Wie Andreas und Barbara Fuhrmann bemühte sich auch seine Tochter Margarete, die Not der ärmeren Bevölkerung von Bodenmais zu lindern. Im Jahr 1844 gründete Margarete Fuhrmann eine Ausbildungsstätte für Mädchen zur Herstellung von Textilien. Zum Gedenken an ihr Wirken stiftete der Markt Bodenmais 2011 die Margarete-Fuhrmann-Medaille als Ehrenamtspreis.
Quelle: Haller, Reinhard: Bodenmais … und die „Bomoesser“. Teil IV: Das Churfürstlich-Königliche Berg- und Hüttenwerk Bodenmais. Praktikantenberichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Hrsg. vom Förderverein Bodenmaiser Geschichte und Kulturdenkmäler e.V. Bodenmais 1999, 75ff. Haller, Reinhard: „… und überdies gegen Niedergang der Sonne gebaut“. 200 Jahre Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1805–2005). Mit einer Geschichte der Pfarrei Bodenmais (1805–2005). Ergänzt durch Beiträge von Josef Geiger jun. und Diakon Josef Schlecht. Vorwort von Renate Weikl, Nachwort von Pfarrer Josef Schmaderer. (Band III: Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005). Bodenmais, 2005. Haller, Reinhard: Bodenmais … und die Bomoesser. Alltagsleben in einer Königlich-Bayerischen Landgemeinde (1806-1918). Mit Ausblicken in die Zeit davor und danach, hg. Von der Marktgemeinde Bodenmais, Grafenau 1989, 360f. https://www.markt-bodenmais.de/Bürgerservice/PDF Dateien/Satzungen/Richtlinie_Ehrenamtspreis.pdf
Gute Nacht, du schöner Tag (Text und Musik: Eveline Vogl) – gesungen von „Cantus Laudis“, dem Kinder- und Jugendchor der Pfarreiengemeinschaft Bodenmais-Böbrach-Bayerisch Eisenstein.
Lebensbuch
Mit dem Tod wird das Lebensbuch, das die Verstorbenen Tag für Tag, Seite für Seite, geschrieben haben, ein für alle Mal geschlossen. Doch was wir Christen wissen dürfen ist: Der Stoff unseres Lebensbuches ist nicht umsonst zusammengetragen, durchlebt und durchlitten. Meisterhaft hat das der Priester und Schriftsteller Petrus Ceelen ins Wort gebracht:
Mein Gott, wenn ich zu dir heimkehre, hältst du mein Buch in deinen Händen.
Dann wirst du mir den Titel eröffnen, den du meiner Geschichte gegeben hast.
Dann werde ich mein Leben mit ganz anderen, mit deinen Augen sehen.
Dann werde ich auch das schwierigste Kapitel vollends verstehen.
Dann werde ich manche dunkle Seite endlich begreifen.
Zu guter Letzt werde ich erkennen, wie du auf krummen Zeilen gerade geschrieben hast.
Wenn ich zu dir heimkehre, hältst du mein Buch in deinen Händen.
Am historischen Grab der Familie Klee erinnert das Gezähe (Hammer und Schlegel) an die Bergmännische Tradition. Bodenmais wäre ohne den Bergbau kaum denkbar. Über Jahrhunderte prägte der Silberberg das Leben der Menschen im Ort. Zunächst wurde Silber gefördert, später Eisen und Vitriol – wertvolle Rohstoffe, die bis weit über die Region hinaus Bedeutung hatten. Die Arbeit unter Tage war schwer und gefährlich, doch die Bergleute waren stolz auf ihre Zunft. Ihre Lieder, Bräuche und die enge Gemeinschaft prägten das Leben in Bodenmais nachhaltig.
Beerdigungsmarsch „Ehre zum letzten Gang“
Gespielt von der Knappschaftskapelle Bodenmais.
Tradition ist lebendig
Heute ist der Bergbau Geschichte – aber lebendig geblieben im Knappschaftsverein und in der Knappschaftskapelle, in Bräuchen und Festen und vor allem im Besucherbergwerk am Silberberg. Wer in die Stollen hinabsteigt, spürt noch die besondere Atmosphäre und bekommt einen Eindruck davon, wie hart und faszinierend die Arbeit der Bergleute war. Stirbt ein Mitglied des Knappschaftsvereins, dann begleitet die Knappschaftskapelle den Trauerzug von der Kirche zum Friedhof. Am offenen Grab erklingt als letzte Ehrenbezeigung das Bergmannslied „Glück auf“.
Bergmannslied „Glück auf“ – Trauerchoral
Gespielt von der Knappschaftskapelle Bodenmais.
Sage vom toten Bergmann
In Bodenmais erzählte man sich auch folgende Begebenheit:
In Bodenmais war vor 50 Jahren einmal die Beerdigung eines Bergarbeiters. Die Leichenträger waren Kameraden des Verstorbenen. Die waren am Abend beim Leichentrunk noch beisammen. Als sie schon betrunken waren, gedachten sie auch der früheren Anwesenheit des Verstorbenen. Da behauptete einer die Schneid zu haben, den Toten zu holen. Er ging eine Wette ein und ging auf den Friedhof. Dort öffnete er das Grab, machte den Sarg auf, nahm den Toten auf den Buckel und trug ihn ins Wirtshaus. Dort setzte er ihn an der Gastzimmertür nieder. Als die anderen Kameraden den Toten sahen, reute sie ihr dummer Streich und der Gewinner musste den Toten in seine Ruhestätte zurückbringen. Er lud ihn auf die Schulter und trug ihn ins Grab zurück. Dort legte er ihn in den Sarg und nagelte den Deckel zu. Dabei zwickte er seinen langen Leichenrock zwischen Sarg und Deckel ein. Als er aufstehen wollte, blieb er hängen und meinte, der Tote halte ihn fest. Da erschrak er so, dass er tot über dem Sarge liegen blieb.
Peter JosefKlee (gestorben 1954) wurde 1885 im Rheinland geboren und kam 1911 als junger Bergmann nach Bodenmais. Hier heiratete er Maria Dresely, die Tochter des Hofbräuhaus-Besitzers, und gründete mit ihr eine Familie. Seine Laufbahn führte ihn zeitweise an andere Gruben in Franken und Niedersachsen, wo er sogar den Bau von unterirdischen Munitionsanlagen überwachte. 1939 kehrte er nach Bodenmais zurück und wurde 1941 Werksinspektor. Besonders setzte er sich dafür ein, das berühmte „Bodenmaiser Polierrot“ zu verbessern – ein Produkt, das weltweit bekannt wurde.
Quelle: Haller, Reinhard: Glückauf zur letzten Schicht. Das Bayerische Berg- und Hüttenwerk Bodenmais. Aufschwung – Niedergang – Ende (1871–1962). Ein Beitrag zu „50 Jahre Markt Bodenmais“. Herausgegeben vom Sozialausschuss des Pfarrgemeinderates Bodenmais. Regen 2008, 88ff.
Tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist.
Psalm 90
Vergessene Besonderheit
Lange Jahre war dieser Grabstein unbeachtet. Es drohte sogar der Abbau, denn diese Grabstelle ist seit vielen Jahren unbelegt. Unbekannt ist auch, wer ihn ursprünglich anschaffen ließ. Schließlich wies der Archäologe Karl Schmotz die Friedhofsverwaltung darauf hin, dass es sich bei diesem und einem weiteren Grabstein um eine Besonderheit handelt: Einen liegenden klassizistischen Grabstein aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert. Schmotz konnte bislang 143 Exemplare in Ostbayern und im westlichen Innviertel dokumentieren.
Seltene Grabform
Diese seltene Grabform war einst in Teilen Niederbayerns, der Oberpfalz und des westlichen Innviertels (Österreich) verbreitet. Aus Granit gefertigt und mit Symbolen wie Kreuzen, Totenköpfen oder Girlanden geschmückt, erinnern sie an antike Sarkophage und spiegeln den Stil des Klassizismus wider. Namen oder Daten waren oft auf kleinen Eisenkreuzen angebracht, die heute meist verschwunden sind. Auch bei diesem Grab war das Kreuz verschwunden. Pfarrer Alexander Kohl ließ 2019 ein neues Kreuz vom Schmiedemeister Haslmayr, Ruhmannsfelden, anfertigen.
Zeichen von Wohlstand
Solche Steine waren einst Ausdruck von Würde und Wohlstand. Leisten konnten sich so einen Stein nur reiche Handwerker und Bürger. Heute sind sie wertvolle Zeugnisse einer fast vergessenen Bestattungskultur.
Vergänglichkeit
Die Grabsteine erinnern an die Vergänglichkeit jedes Menschenleben. Meisterhaft beschreibt das Psalm 90:
O Herr, du warst uns Wohnung von Geschlecht zu Geschlecht. Ehe geboren wurden die Berge, ehe du unter Wehen hervorbrachtest Erde und Erdkreis, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück! Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht. Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.
Quelle: Karl Schmotz: Liegende Grabsteine – Klassizistische Grabsteine. Zeugen einer vergessenen Sepulkralkultur. In: Maximilian Ontrup (Hrsg.), Festschrift für Andreas Boos. In und um Regensburg. Regensburg 2019, S. 218–229.
Im Jahr 1938 wird auf dem Friedhof das Leichenhaus errichtet. Am 16. Oktober wird es feierlich eingeweiht. Dadurch endet die Tradition, die Verstorbenen für drei Tage im Sterbehaus aufzubahren.
Glaube und Hoffnung
Die Engel mit Kreuz und Anker in den Glasfenstern symbolisieren die christlichen Tugenden Glaube und Hoffnung.
Das Leichenhaus besteht aus einem Aufbahrungsraum in der Mitte, der mit wertvollen Buntglasfenster versehen ist. Diese wurden bei einer früheren Restaurierung aus der Pfarrkirche entfernt. Neben einem Geräteraum rechts war auf der linken Seite ein Zimmer für den Totenwärter untergebracht. Mit einem Ofen und einem Bett versehen, musste dort Wache gehalten werden. Erst 2016 wird der bis dahin offene Vorraum mit großen Glaselementen versehen.
Video: Nächtliches Erlebnis im Leichenhaus
Vom Leichenhaus erzählt auch Gust Koller (Jahrgang 1929) im Gespräch mit Pfarrer Alexander Kohl:
Das Schicksal der Elvira Stefanie als ein Beispiel für die „gute alte Zeit“, die gar nicht so gut war.
Nur wenige der Priester, die als Pfarrer oder als Cooperator (Kaplan) ihren Dienst in Bodenmais versahen, sind hier im Priestergrab bestattet. Doch der Dienst an den Verstorbenen und den Hinterbliebenen war ein wichtiger Teil ihres priesterlichen Auftrags. Damit verbunden war auch die Frage nach der Gestaltung des Friedhofs und von Begräbnissen, die stets ein Spiegelbild der Zeit waren.
Friedhofsplan 19. Jahrhundert
Friedhofsplan ca. 1920
Rituale – Gebetsbuch des Priesters bei Beerdigungen
Friedhofsplan nach 1938
Der Friedhof als Spiegelbild des „Armenhauses“ Bodenmais
Prächtige Grabsteine, Urnengrabfelder und Gemeinschaftsgräber suchte man in früheren Zeiten auf dem Friedhof vergeblich. Kein Wunder, war doch in Bodenmais, dem „Armenhaus des Bayerischen Waldes“, das Geld für eine kostenintensive Gedenkkultur knapp.
Noch um 1890 waren steinerne Grabmale selten. Häufig zu sehen waren hingegen einfache Holzkreuze und vielfach auch eine Besonderheit, die „Grä-Zoang“ („Grabzarch“). Diese imitierten die Steingrabmale, waren jedoch aus Holz, innen hohl und oft aus einer stein-imitierenden Schicht aus Sand und Leim überzogen. (Haller 414) Von diesen Schein-Grabsteinen hat sich keiner erhalten.
Kindergräber
Video starten
Sie werden zu Youtube weitergeleitet
Im Bereich unterhalb des Friedhofskircherls befanden sich früher vor allem Kindergräber, die von der hohen Kindersterblichkeit zeugten. Davon erzählt auch Gust Koller (Jahrgang 1929) im Gespräch mit Pfarrer Alexander Kohl:
Gnadenlos – der Fall des Kindes Elvira B.
Video starten
Sie werden zu Youtube weitergeleitet
Im Jahr 1930 brachte die Bodenmaiser Dienstmagd Pila B. ein uneheliches Kind zur Welt – Elvira Stefanie. Schon bald wurde das Kind zum Ziel öffentlicher Schmähungen: Im Bodenmaiser Anzeiger erschienen Spottgedichte über die Vaterschaft. Mit nur knapp zwei Jahren starb Elvira an Diphtherie. Doch selbst im Tod wurde ihr die Gnade verwehrt: Als uneheliches Kind erhielt sie nur ein schlichtes Begräbnis, ohne Messfeier. Der Fall wurde zum Ortsgespräch, sogar im Gemeinderat diskutiert. Er zeigt eindrücklich, wie gnadenlos die Gesellschaft früher mit den Schwächsten umging – und wie wichtig uns heute Würde und Gleichbehandlung sind.
Quellen: Pfarrarchiv Bodenmais Haller, Reinhard: „Der Ehre Gottes und denen bei unserm Bergwerk befindlichen Werkleuten zu Trost und Nutz …“ – Filialkirche–Bergkaplanei–Pfarrei Bodenmais (1531–1804). Band I: „Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005“. Hrsg. vom Bodenmaiser Bauerntheater. Bodenmais: Bodenmaiser Bauerntheater, 2004. Haller, Reinhard: „… und überdies gegen Niedergang der Sonne gebaut“. 200 Jahre Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1805–2005). Mit einer Geschichte der Pfarrei Bodenmais (1805–2005). Ergänzt durch Beiträge von Josef Geiger jun. und Diakon Josef Schlecht. Vorwort von Renate Weikl, Nachwort von Pfarrer Josef Schmaderer. (Band III: Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005). Zwiesel, 2005.
Wie liefen Beerdigungen in Bodenmais früher ab? Entdecke, welche Bräuchen und Rituale es gab.
Leben und Sterben – begleitet von Riten und Bräuchen
Pfarrfriedhof Bodenmais
Grab Familie Rosenlehner
Therese Rosenlehner (4. von links), die erste Autofahrerin von Bodenmais
Therese Rosenlehner, die hier bestattet ist, war eine große Wohltäterin der Pfarrei. Die „Bauern-Res“ besaß eine Landwirtschaft im Ortsteils Mais. Im Jahr 1936 starb sie unverheiratet und hinterließ dem Pfarrwiddum 44 Tagwerk Wald. In dieser Grabstelle wurde sie mit den üblichen Bräuchen und Traditionen bestattet.
Früher begleiteten viele Bräuche den Tod eines Menschen. Gleich nach dem Sterben wurden Fenster geöffnet, damit die Seele hinaus konnte. Auch das Vieh im Stall wurde geweckt – es sollte den Verlust spüren.
Totenwache zu Hause
Bis ins 20. Jahrhundert hinein lag der Verstorbene noch mehrere Tage im eigenen Haus, auf einfachen Brettern oder einer Bank. Nachbarn und Verwandte hielten Totenwache: Sie beteten, erzählten – manchmal wurde sogar gespielt, gegessen und getrunken.
Beerdigungszug während des Krieges
Vor dem Friedhof einmal um die Kirche
Vor dem Begräbnis setzte man den Sarg dreimal auf der Schwelle ab. Aus den umliegenden Ortsteilen brachten Fuhrwerke die Toten zu bestimmten Sammelplätzen („Absetzen“), wo Pfarrer und Dorfgemeinschaft sie abholten. Dann trug man den Sarg im Leichenzug einmal um die Kirche und erst danach zum Friedhof.
Manche Beerdigungen waren sehr schlicht, andere – wie die von wohlhabenden Bürgern – prunkvoll: mit Musikanten, Fahnen, Totenmessen und großem Leichentrunk. Für ärmere Leute blieb es bei einem einfachen Gottesdienst und einer kleinen Einkehr.
Nach der Beerdigung zogen die Vereine ins Wirtshaus zum Leichtrunk. Die Blaskapelle spielte dazu einen fröhlichen Marsch. Was für Außenstehende befremdlich wirkt, zeigt doch eine pragmatische Sicht auf den Tod: das Leben geht weiter.
Rosenkranzgebet während des Leichenzuges
Während des Leichenzuges beteten Männer in einer besonders feierlichen, gesungenen Weise den Rosenkranz (Gegrüßet seist du Maria und Vater Unser) vor.
Video: Wie Beerdigungen früher abliefen
Video öffnen
Sie werden zu Youtube weitergeleitet
Wie Beerdigungen in Bodenmais früher abliefen, erzählt Gust Koller (Jahrgang 1929) im Gespräch mit Pfarrer Alexander Kohl.
Quelle: Haller, Reinhard: „… und überdies gegen Niedergang der Sonne gebaut“. 200 Jahre Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1805–2005). Mit einer Geschichte der Pfarrei Bodenmais (1805–2005). Ergänzt durch Beiträge von Josef Geiger jun. und Diakon Josef Schlecht. Vorwort von Renate Weikl, Nachwort von Pfarrer Josef Schmaderer. (Band III: Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005). Zwiesel, 2005.
Totenbretter, wie dieser hier, findet man im Bayerischen Wald recht häufig. Doch was hat es mit den Totenbrettern auf sich?
Totenbretter – Zeichen des Glaubens und der Erinnerung
Pfarrfriedhof Bodenmais
Einzigartige Tradition im Bayerischen Wald
Wer durch den Bayerischen Wald geht, entdeckt eine Besonderheit: die Totenbretter. Früher wurden Verstorbene nicht im Sarg, sondern zu Hause auf einem einfachen Holzbrett aufgebahrt. Nach der Beerdigung stellte man dieses Brett als Erinnerung am Wegesrand oder neben dem Friedhof auf. Oft wurden sie beschriftet und bemalt. Die Bodenmaiser Totenbretter galten als die schönsten und interessantesten im ganzen Bayerischen Wald.
Wenn Holz und Seele vergehen
Die Menschen glaubten: Wenn das Holz langsam von Wind und Wetter zerfiel, war auch die Seele erlöst und durfte in den Himmel. Deshalb legte man die Bretter oft in die Natur – manchmal sogar über einen Bach, damit sie schneller verrotteten. In Bodenmais gab es ganze „Gedenkbrettergruppen“, wie früher die über 20 Meter lange Totenbretterreihe an der Friedhofsmauer.
Botschaften voller Ernst und Humor
Die Inschriften waren ernst, fromm oder auch humorvoll, kleine Botschaften über Leben, Tod und Hoffnung. Als 1938 das Leichenhaus gebaut wurde, kam der eigentliche Brauch der Totenbretter ab. Doch als Gedenktafeln für Verstorbene werden sie auch heute noch gerne verwendet. Das älteste erhaltene Totenbrett von 1836 befindet sich in der Kapelle am Harlachberg.
Video: Totenbretter
Vom Brauch der Totenbretter im Sterbehaus erzählt Gust Koller (Jahrgang 1929) im Gespräch mit Pfarrer Alexander Kohl.
Video öffnen
Sie werden zu Youtube weitergeleitet
Quelle: Haller, Reinhard, Bodenmais … und die Bomoesser“, Alltagsleben in einer Königlich-Bayerischen Landgemeinde – 1806-1918. Mit Ausblicken in die Zeit davor und danach, Grafenau 1989.
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Einwilligung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Präferenzen
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.