Autor: Pfarrer

  • Beerdigung im Wandel

    Beerdigung im Wandel

    Noch bis in die 2000er Jahre brauchten sich Angehörige keine Gedanken zu machen über die Frage, wie die Beerdigung, die Bestattung und das Grab gestaltet werden sollen. Die gewachsenen Traditionen vor Ort wie Requiem (Messfeier in der Pfarrkirche) und Sargbestattung waren Halt und Stütze.

    Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Ein Beispiel dafür ist die „Ewigkeitsspirale“, die 2024 durch eine Idee von Pfarrer Alexander Kohl errichtet wurde.

    Heute können Angehörige vieles selbst entscheiden: Sarg oder Urne, Liedauswahl, Grabgestaltung. Der Friedhof ist dabei nicht nur ein Ort der Tradition, sondern auch ein Ort, an dem sich die Veränderungen unserer Zeit ablesen lassen.

    1. bis 1789

      Bestattungen im Alten Friedhof

    2. bis 1789

      Wegen Platzmangels Exhumierung der Toten nach wenigen Jahren, Auskochen der Gebeine und Aufbewahrung im Gebeinhaus

    3. ab 1789

      Bestattung im neuen Friedhof

    4. 1934

      Erste Urnenbeisetzung: Die Asche von Otto Segl wird in der Kapelle am Harlachberg bestattet.

    5. bis 1938

      Aufbahrung der Toten zu Hause

    6. ab 1938

      Aufbahrung im Leichenhaus

    7. bis 1950er

      Feierlichkeit der Bestattung richtet sich nach dem Ansehen des Toten

    8. ab 1950

      Schlichte, alte Grabmale werden ersetzt durch großzügige Grabmalanlagen, oft aus exotischen Steinen

    9. ab 1963

      Das Verbot der Einäscherung für Katholiken wird aufgehoben.

    10. ab 1983

      Neues Kirchenrecht: kein genereller Ausschluss vom katholischen Begräbnis bei Suizid (pastorale Beurteilung).

    11. ab 1990

      Urnenbestattungen nehmen zu

    12. ab 2000er

      Die Bestattungen werden vielfältiger und richten sich nicht mehr nur nach den Traditionen

  • Blick zum Silberberg

    Blick zum Silberberg

    „Herr, behüte mich“

    Aus dem Lied „Herr, behüte mich“ von Eveline Vogl

    Wer hier am großen Friedhofskreuz steht, hat eine klare Sicht auf den Silberberg. Über Jahrhunderte prägte er das Leben in Bodenmais: harte Arbeit unter Tage, Gefahr und Entbehrung, aber auch Zusammenhalt und Stolz der Bergleute. Viele von ihnen fanden hier am Friedhof ihre letzte Ruhe.

    Das Kreuz, Sinnbild des Leidens und zugleich der Auferstehung, verbindet sich mit dem Berg, Symbol für das mühsame Leben der Menschen. So wird aus der Sichtachse ein Hoffnungszeichen: Wie der Berg die Landschaft prägt, so prägt der Glaube an Christus die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.

    Legende: Irrlichter am Silberberg

    Aus einem Stollen am Silberberg kam einst grünes Wasser hervor. Dort sollte es noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg geweihrazt (gespukt) haben. Man sah dort des Öfteren in den Nächten nach Allerheiligen kleine Lichter umherfliegen. Damals waren einige Bergmänner bei einem Unfall von einem Felsen erdrückt worden. So kam der Pfarrer mit zwei Ministranten, um den Opfern die Sterbesakramente zu spenden. Sie gingen hinein, doch kamen auch sie nicht mehr aus dem Stollen heraus. Wo sie abgeblieben sind, weiß bis heute keiner. Seit diesem Ereignis hatte man dort immer wieder kleine Lichter gesehen.

    Quelle: Haller, Reinhard, Bodenmaiser Sagen, Grafenau 1993.

  • Andreas Fuhrmann

    Andreas Fuhrmann

    „wahrhaft
    elende Zustand der hiesigen Bergkappelle, daß sie ohne wohl mögliche
    Hülfe täglich dem Einsturze droht“

    Andreas Fuhrmann wies 1801 auf den schlechten Zustand der alten Pfarrkirche hin, die kurz darauf neu errichtet wurde.

    Liegende Grabsteine, wie dieser Grabstein hier, kennzeichneten den Verstorbenen oft als angesehene Persönlichkeit seiner Heimatgemeinde. Das Grab von Andreas Fuhrmann – eines von zwei Bodenmaiser Gräbern mit liegenden Grabsteinen – erinnert an eine Persönlichkeit, die das Leben in Bodenmais in besonderer Weise geprägt hat.

    Andreas Fuhrmann

    Andreas Fuhrmann (1772 – 1844) stammte aus Viechtach und begann 1794 als Praktikant im Bergwerk von Bodenmais. Schon bald fiel er durch Fleiß und Können auf. Trotz harter Ausbildung in den Stollen wurde er 1801 zum Oberverweser und später zum Bergmeister ernannt.

    Einsatz für Bodenmais

    Fuhrmann engagierte sich nicht nur für den Bergbau, sondern auch für die Menschen vor Ort. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara gründete er eine Spinnerei, um armen Frauen Arbeit zu geben. Zudem baute er eine bedeutende Mineraliensammlung auf, die später vom Königreich Bayern übernommen wurde und europaweit Beachtung fand.

    Beliebter Mitbürger

    Andreas Fuhrmann galt als nahbarer und beliebter Vorgesetzter, der den Bergleuten menschlich begegnete. Sie dankten es ihm mit Liedern und Verehrung. Sein Wirken machte ihn zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Bodenmaiser Bergbaugeschichte.

    Fuhrmann-Preis

    Wie Andreas und Barbara Fuhrmann bemühte sich auch seine Tochter Margarete, die Not der ärmeren Bevölkerung von Bodenmais zu lindern. Im Jahr 1844 gründete Margarete Fuhrmann eine Ausbildungsstätte für Mädchen zur Herstellung von Textilien. Zum Gedenken an ihr Wirken stiftete der Markt Bodenmais 2011 die Margarete-Fuhrmann-Medaille als Ehrenamtspreis.

    Quelle: Haller, Reinhard: Bodenmais … und die „Bomoesser“. Teil IV: Das Churfürstlich-Königliche Berg- und Hüttenwerk Bodenmais. Praktikantenberichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Hrsg. vom Förderverein Bodenmaiser Geschichte und Kulturdenkmäler e.V. Bodenmais 1999, 75ff.
    Haller, Reinhard: „… und überdies gegen Niedergang der Sonne gebaut“. 200 Jahre Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1805–2005). Mit einer Geschichte der Pfarrei Bodenmais (1805–2005). Ergänzt durch Beiträge von Josef Geiger jun. und Diakon Josef Schlecht. Vorwort von Renate Weikl, Nachwort von Pfarrer Josef Schmaderer. (Band III: Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005). Bodenmais, 2005.
    Haller, Reinhard: Bodenmais … und die Bomoesser. Alltagsleben in einer Königlich-Bayerischen Landgemeinde (1806-1918). Mit Ausblicken in die Zeit davor und danach, hg. Von der Marktgemeinde Bodenmais, Grafenau 1989, 360f.
    https://www.markt-bodenmais.de/Bürgerservice/PDF Dateien/Satzungen/Richtlinie_Ehrenamtspreis.pdf

  • Hoffnung

    Hoffnung

    Musik: Gute Nacht, du schöner Tag

    Gute Nacht, du schöner Tag (Text und Musik: Eveline Vogl) – gesungen von „Cantus Laudis“, dem Kinder- und Jugendchor der Pfarreiengemeinschaft Bodenmais-Böbrach-Bayerisch Eisenstein.

    Lebensbuch

    Mit dem Tod wird das Lebensbuch, das die Verstorbenen Tag für Tag, Seite für Seite, geschrieben haben, ein für alle Mal geschlossen. Doch was wir Christen wissen dürfen ist: Der Stoff unseres Lebensbuches ist nicht umsonst zusammengetragen, durchlebt und durchlitten. Meisterhaft hat das der Priester und Schriftsteller Petrus Ceelen ins Wort gebracht:


    Mein Gott,
    wenn ich zu dir heimkehre,
    hältst du mein Buch
    in deinen Händen.

    Dann wirst du mir
    den Titel eröffnen,
    den du meiner Geschichte
    gegeben hast.

    Dann werde ich mein Leben
    mit ganz anderen,
    mit deinen Augen sehen.

    Dann werde ich
    auch das schwierigste Kapitel
    vollends verstehen.

    Dann werde ich
    manche dunkle Seite
    endlich begreifen.

    Zu guter Letzt
    werde ich erkennen,
    wie du auf krummen Zeilen
    gerade geschrieben hast.

    Wenn ich zu dir heimkehre,
    hältst du mein Buch
    in deinen Händen.

    Aus: Petrus Ceelen,
    Worüber man nicht spricht

  • Bergmännische Tradition

    Bergmännische Tradition

    „Dort öffnete er das Grab…“

    Sage vom toten Bergmann

    Grab der Familie Klee

    Am historischen Grab der Familie Klee erinnert das Gezähe (Hammer und Schlegel) an die Bergmännische Tradition. Bodenmais wäre ohne den Bergbau kaum denkbar. Über Jahrhunderte prägte der Silberberg das Leben der Menschen im Ort. Zunächst wurde Silber gefördert, später Eisen und Vitriol – wertvolle Rohstoffe, die bis weit über die Region hinaus Bedeutung hatten. Die Arbeit unter Tage war schwer und gefährlich, doch die Bergleute waren stolz auf ihre Zunft. Ihre Lieder, Bräuche und die enge Gemeinschaft prägten das Leben in Bodenmais nachhaltig.

    Beerdigungsmarsch „Ehre zum letzten Gang“

    Gespielt von der Knappschaftskapelle Bodenmais.

    Tradition ist lebendig

    Heute ist der Bergbau Geschichte – aber lebendig geblieben im Knappschaftsverein und in der Knappschaftskapelle, in Bräuchen und Festen und vor allem im Besucherbergwerk am Silberberg. Wer in die Stollen hinabsteigt, spürt noch die besondere Atmosphäre und bekommt einen Eindruck davon, wie hart und faszinierend die Arbeit der Bergleute war. Stirbt ein Mitglied des Knappschaftsvereins, dann begleitet die Knappschaftskapelle den Trauerzug von der Kirche zum Friedhof. Am offenen Grab erklingt als letzte Ehrenbezeigung das Bergmannslied „Glück auf“.

    Bergmannslied „Glück auf“ – Trauerchoral

    Gespielt von der Knappschaftskapelle Bodenmais.

    Sage vom toten Bergmann

    In Bodenmais erzählte man sich auch folgende Begebenheit:

    In Bodenmais war vor 50 Jahren einmal die Beerdigung eines Bergarbeiters. Die Leichenträger waren Kameraden des Verstorbenen. Die waren am Abend beim Leichentrunk noch beisammen. Als sie schon betrunken waren, gedachten sie auch der früheren Anwesenheit des Verstorbenen. Da behauptete einer die Schneid zu haben, den Toten zu holen. Er ging eine Wette ein und ging auf den Friedhof. Dort öffnete er das Grab, machte den Sarg auf, nahm den Toten auf den Buckel und trug ihn ins Wirtshaus. Dort setzte er ihn an der Gastzimmertür nieder. Als die anderen Kameraden den Toten sahen, reute sie ihr dummer Streich und der Gewinner musste den Toten in seine Ruhestätte zurückbringen. Er lud ihn auf die Schulter und trug ihn ins Grab zurück. Dort legte er ihn in den Sarg und nagelte den Deckel zu. Dabei zwickte er seinen langen Leichenrock zwischen Sarg und Deckel ein. Als er aufstehen wollte, blieb er hängen und meinte, der Tote halte ihn fest. Da erschrak er so, dass er tot über dem Sarge liegen blieb.

    Quelle: Haller, Reinhard, Bodenmaiser Sagen, Grafenau 1993, 39.

    Peter Josef Klee

    Peter Josef Klee (1885-1954)

    Peter Josef Klee (gestorben 1954) wurde 1885 im Rheinland geboren und kam 1911 als junger Bergmann nach Bodenmais. Hier heiratete er Maria Dresely, die Tochter des Hofbräuhaus-Besitzers, und gründete mit ihr eine Familie. Seine Laufbahn führte ihn zeitweise an andere Gruben in Franken und Niedersachsen, wo er sogar den Bau von unterirdischen Munitionsanlagen überwachte. 1939 kehrte er nach Bodenmais zurück und wurde 1941 Werksinspektor. Besonders setzte er sich dafür ein, das berühmte „Bodenmaiser Polierrot“ zu verbessern – ein Produkt, das weltweit bekannt wurde.


    Quelle: Haller, Reinhard: Glückauf zur letzten Schicht. Das Bayerische Berg- und Hüttenwerk Bodenmais. Aufschwung – Niedergang – Ende (1871–1962). Ein Beitrag zu „50 Jahre Markt Bodenmais“. Herausgegeben vom Sozialausschuss des Pfarrgemeinderates Bodenmais. Regen 2008, 88ff.

  • Seltene Steine aus vergangener Zeit

    Seltene Steine aus vergangener Zeit

    Tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist.

    Psalm 90

    Vergessene Besonderheit

    Lange Jahre war dieser Grabstein unbeachtet. Es drohte sogar der Abbau, denn diese Grabstelle ist seit vielen Jahren unbelegt. Unbekannt ist auch, wer ihn ursprünglich anschaffen ließ. Schließlich wies der Archäologe Karl Schmotz die Friedhofsverwaltung darauf hin, dass es sich bei diesem und einem weiteren Grabstein um eine Besonderheit handelt: Einen liegenden klassizistischen Grabstein aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert.
    Schmotz konnte bislang 143 Exemplare in Ostbayern und im westlichen Innviertel dokumentieren.

    Seltene Grabform

    Diese seltene Grabform war einst in Teilen Niederbayerns, der Oberpfalz und des westlichen Innviertels (Österreich) verbreitet. Aus Granit gefertigt und mit Symbolen wie Kreuzen, Totenköpfen oder Girlanden geschmückt, erinnern sie an antike Sarkophage und spiegeln den Stil des Klassizismus wider. Namen oder Daten waren oft auf kleinen Eisenkreuzen angebracht, die heute meist verschwunden sind. Auch bei diesem Grab war das Kreuz verschwunden. Pfarrer Alexander Kohl ließ 2019 ein neues Kreuz vom Schmiedemeister Haslmayr, Ruhmannsfelden, anfertigen.

    Zeichen von Wohlstand

    Solche Steine waren einst Ausdruck von Würde und Wohlstand. Leisten konnten sich so einen Stein nur reiche Handwerker und Bürger. Heute sind sie wertvolle Zeugnisse einer fast vergessenen Bestattungskultur.

    Vergänglichkeit

    Die Grabsteine erinnern an die Vergänglichkeit jedes Menschenleben. Meisterhaft beschreibt das Psalm 90:

    O Herr, du warst uns Wohnung von Geschlecht zu Geschlecht. Ehe geboren wurden die Berge, ehe du unter Wehen hervorbrachtest Erde und Erdkreis, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück! Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht. Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.

    Quelle: Karl Schmotz: Liegende Grabsteine – Klassizistische Grabsteine. Zeugen einer vergessenen Sepulkralkultur. In: Maximilian Ontrup (Hrsg.), Festschrift für Andreas Boos. In und um Regensburg. Regensburg 2019, S. 218–229.

  • Leichenhaus

    Leichenhaus

    Im Jahr 1938 wird auf dem Friedhof das Leichenhaus errichtet. Am 16. Oktober wird es feierlich eingeweiht. Dadurch endet die Tradition, die Verstorbenen für drei Tage im Sterbehaus aufzubahren.

    Glaube und Hoffnung

    Die Engel mit Kreuz und Anker in den Glasfenstern symbolisieren die christlichen Tugenden Glaube und Hoffnung.

    Glasfenster aus der Pfarrkirche

    Das Leichenhaus besteht aus einem Aufbahrungsraum in der Mitte, der mit wertvollen Buntglasfenster versehen ist. Diese wurden bei einer früheren Restaurierung aus der Pfarrkirche entfernt. Neben einem Geräteraum rechts war auf der linken Seite ein Zimmer für den Totenwärter untergebracht. Mit einem Ofen und einem Bett versehen, musste dort Wache gehalten werden. Erst 2016 wird der bis dahin offene Vorraum mit großen Glaselementen versehen.

  • Friedhof – eine Reise in die Vergangenheit

    Friedhof – eine Reise in die Vergangenheit

    „Des Kindes Papa Kandidaten waren viele…“

    Das Schicksal der Elvira Stefanie als ein Beispiel für die „gute alte Zeit“, die gar nicht so gut war.

    Nur wenige der Priester, die als Pfarrer oder als Cooperator (Kaplan) ihren Dienst in Bodenmais versahen, sind hier im Priestergrab bestattet. Doch der Dienst an den Verstorbenen und den Hinterbliebenen war ein wichtiger Teil ihres priesterlichen Auftrags. Damit verbunden war auch die Frage nach der Gestaltung des Friedhofs und von Begräbnissen, die stets ein Spiegelbild der Zeit waren.

    Der Friedhof als Spiegelbild des „Armenhauses“ Bodenmais

    Prächtige Grabsteine, Urnengrabfelder und Gemeinschaftsgräber suchte man in früheren Zeiten auf dem Friedhof vergeblich. Kein Wunder, war doch in Bodenmais, dem „Armenhaus des Bayerischen Waldes“, das Geld für eine kostenintensive Gedenkkultur knapp.

    Noch um 1890 waren steinerne Grabmale selten. Häufig zu sehen waren hingegen einfache Holzkreuze und vielfach auch eine Besonderheit, die „Grä-Zoang“ („Grabzarch“). Diese imitierten die Steingrabmale, waren jedoch aus Holz, innen hohl und oft aus einer stein-imitierenden Schicht aus Sand und Leim überzogen. (Haller 414) Von diesen Schein-Grabsteinen hat sich keiner erhalten.

    Quellen: Pfarrarchiv Bodenmais
    Haller, Reinhard: „Der Ehre Gottes und denen bei unserm Bergwerk befindlichen Werkleuten zu Trost und Nutz …“ – Filialkirche–Bergkaplanei–Pfarrei Bodenmais (1531–1804). Band I: „Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005“. Hrsg. vom Bodenmaiser Bauerntheater. Bodenmais: Bodenmaiser Bauerntheater, 2004.
    Haller, Reinhard: „… und überdies gegen Niedergang der Sonne gebaut“. 200 Jahre Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1805–2005). Mit einer Geschichte der Pfarrei Bodenmais (1805–2005). Ergänzt durch Beiträge von Josef Geiger jun. und Diakon Josef Schlecht. Vorwort von Renate Weikl, Nachwort von Pfarrer Josef Schmaderer. (Band III: Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005). Zwiesel, 2005.

  • Beerdigungen

    Beerdigungen

    Wie liefen Beerdigungen in Bodenmais früher ab? Entdecke, welche Bräuchen und Rituale es gab.

    Leben und Sterben – begleitet von Riten und Bräuchen

    Pfarrfriedhof Bodenmais

    Grab Familie Rosenlehner

    Therese Rosenlehner, die hier bestattet ist, war eine große Wohltäterin der Pfarrei. Die „Bauern-Res“ besaß eine Landwirtschaft im Ortsteils Mais. Im Jahr 1936 starb sie unverheiratet und hinterließ dem Pfarrwiddum 44 Tagwerk Wald. In dieser Grabstelle wurde sie mit den üblichen Bräuchen und Traditionen bestattet.

    Bräuche rund ums Sterben

    Früher begleiteten viele Bräuche den Tod eines Menschen. Gleich nach dem Sterben wurden Fenster geöffnet, damit die Seele hinaus konnte. Auch das Vieh im Stall wurde geweckt – es sollte den Verlust spüren.

    Totenwache zu Hause

    Bis ins 20. Jahrhundert hinein lag der Verstorbene noch mehrere Tage im eigenen Haus, auf einfachen Brettern oder einer Bank. Nachbarn und Verwandte hielten Totenwache: Sie beteten, erzählten – manchmal wurde sogar gespielt, gegessen und getrunken.

    Vor dem Friedhof einmal um die Kirche

    Vor dem Begräbnis setzte man den Sarg dreimal auf der Schwelle ab. Aus den umliegenden Ortsteilen brachten Fuhrwerke die Toten zu bestimmten Sammelplätzen („Absetzen“), wo Pfarrer und Dorfgemeinschaft sie abholten. Dann trug man den Sarg im Leichenzug einmal um die Kirche und erst danach zum Friedhof.

    Manche Beerdigungen waren sehr schlicht, andere – wie die von wohlhabenden Bürgern – prunkvoll: mit Musikanten, Fahnen, Totenmessen und großem Leichentrunk. Für ärmere Leute blieb es bei einem einfachen Gottesdienst und einer kleinen Einkehr.

    Nach der Beerdigung zogen die Vereine ins Wirtshaus zum Leichtrunk. Die Blaskapelle spielte dazu einen fröhlichen Marsch. Was für Außenstehende befremdlich wirkt, zeigt doch eine pragmatische Sicht auf den Tod: das Leben geht weiter.

    Rosenkranzgebet während des Leichenzuges

    Während des Leichenzuges beteten Männer in einer besonders feierlichen, gesungenen Weise den Rosenkranz (Gegrüßet seist du Maria und Vater Unser) vor.

    Video: Wie Beerdigungen früher abliefen

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    Wie Beerdigungen in Bodenmais früher abliefen, erzählt Gust Koller (Jahrgang 1929) im Gespräch mit Pfarrer Alexander Kohl.

    Quelle: Haller, Reinhard: „… und überdies gegen Niedergang der Sonne gebaut“. 200 Jahre Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1805–2005). Mit einer Geschichte der Pfarrei Bodenmais (1805–2005). Ergänzt durch Beiträge von Josef Geiger jun. und Diakon Josef Schlecht. Vorwort von Renate Weikl, Nachwort von Pfarrer Josef Schmaderer. (Band III: Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005). Zwiesel, 2005.

  • Totenbretter

    Totenbretter

    Totenbretter, wie dieser hier, findet man im Bayerischen Wald recht häufig. Doch was hat es mit den Totenbrettern auf sich?

    Totenbretter – Zeichen des Glaubens und der Erinnerung

    Pfarrfriedhof Bodenmais

    Einzigartige Tradition im Bayerischen Wald

    Wer durch den Bayerischen Wald geht, entdeckt eine Besonderheit: die Totenbretter. Früher wurden Verstorbene nicht im Sarg, sondern zu Hause auf einem einfachen Holzbrett aufgebahrt. Nach der Beerdigung stellte man dieses Brett als Erinnerung am Wegesrand oder neben dem Friedhof auf. Oft wurden sie beschriftet und bemalt. Die Bodenmaiser Totenbretter galten als die schönsten und interessantesten im ganzen Bayerischen Wald.

    Wenn Holz und Seele vergehen

    Die Menschen glaubten: Wenn das Holz langsam von Wind und Wetter zerfiel, war auch die Seele erlöst und durfte in den Himmel. Deshalb legte man die Bretter oft in die Natur – manchmal sogar über einen Bach, damit sie schneller verrotteten. In Bodenmais gab es ganze „Gedenkbrettergruppen“, wie früher die über 20 Meter lange Totenbretterreihe an der Friedhofsmauer.

    Botschaften voller Ernst und Humor

    Die Inschriften waren ernst, fromm oder auch humorvoll, kleine Botschaften über Leben, Tod und Hoffnung. Als 1938 das Leichenhaus gebaut wurde, kam der eigentliche Brauch der Totenbretter ab. Doch als Gedenktafeln für Verstorbene werden sie auch heute noch gerne verwendet. Das älteste erhaltene Totenbrett von 1836 befindet sich in der Kapelle am Harlachberg.

    Quelle: Haller, Reinhard, Bodenmais … und die Bomoesser“, Alltagsleben in einer Königlich-Bayerischen Landgemeinde – 1806-1918. Mit Ausblicken in die Zeit davor und danach, Grafenau 1989.