
„Des Kindes Papa Kandidaten waren viele…“
Das Schicksal der Elvira Stefanie als ein Beispiel für die „gute alte Zeit“, die gar nicht so gut war.
Nur wenige der Priester, die als Pfarrer oder als Cooperator (Kaplan) ihren Dienst in Bodenmais versahen, sind hier im Priestergrab bestattet. Doch der Dienst an den Verstorbenen und den Hinterbliebenen war ein wichtiger Teil ihres priesterlichen Auftrags. Damit verbunden war auch die Frage nach der Gestaltung des Friedhofs und von Begräbnissen, die stets ein Spiegelbild der Zeit waren.
Der Friedhof als Spiegelbild des „Armenhauses“ Bodenmais
Prächtige Grabsteine, Urnengrabfelder und Gemeinschaftsgräber suchte man in früheren Zeiten auf dem Friedhof vergeblich. Kein Wunder, war doch in Bodenmais, dem „Armenhaus des Bayerischen Waldes“, das Geld für eine kostenintensive Gedenkkultur knapp.
Noch um 1890 waren steinerne Grabmale selten. Häufig zu sehen waren hingegen einfache Holzkreuze und vielfach auch eine Besonderheit, die „Grä-Zoang“ („Grabzarch“). Diese imitierten die Steingrabmale, waren jedoch aus Holz, innen hohl und oft aus einer stein-imitierenden Schicht aus Sand und Leim überzogen. (Haller 414) Von diesen Schein-Grabsteinen hat sich keiner erhalten.
Kindergräber

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Im Bereich unterhalb des Friedhofskircherls befanden sich früher vor allem Kindergräber, die von der hohen Kindersterblichkeit zeugten. Davon erzählt auch Gust Koller (Jahrgang 1929) im Gespräch mit Pfarrer Alexander Kohl:
Gnadenlos – der Fall des Kindes Elvira B.

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Im Jahr 1930 brachte die Bodenmaiser Dienstmagd Pila B. ein uneheliches Kind zur Welt – Elvira Stefanie. Schon bald wurde das Kind zum Ziel öffentlicher Schmähungen: Im Bodenmaiser Anzeiger erschienen Spottgedichte über die Vaterschaft. Mit nur knapp zwei Jahren starb Elvira an Diphtherie. Doch selbst im Tod wurde ihr die Gnade verwehrt: Als uneheliches Kind erhielt sie nur ein schlichtes Begräbnis, ohne Messfeier. Der Fall wurde zum Ortsgespräch, sogar im Gemeinderat diskutiert. Er zeigt eindrücklich, wie gnadenlos die Gesellschaft früher mit den Schwächsten umging – und wie wichtig uns heute Würde und Gleichbehandlung sind.
Quellen: Pfarrarchiv Bodenmais
Haller, Reinhard: „Der Ehre Gottes und denen bei unserm Bergwerk befindlichen Werkleuten zu Trost und Nutz …“ – Filialkirche–Bergkaplanei–Pfarrei Bodenmais (1531–1804). Band I: „Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005“. Hrsg. vom Bodenmaiser Bauerntheater. Bodenmais: Bodenmaiser Bauerntheater, 2004.
Haller, Reinhard: „… und überdies gegen Niedergang der Sonne gebaut“. 200 Jahre Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1805–2005). Mit einer Geschichte der Pfarrei Bodenmais (1805–2005). Ergänzt durch Beiträge von Josef Geiger jun. und Diakon Josef Schlecht. Vorwort von Renate Weikl, Nachwort von Pfarrer Josef Schmaderer. (Band III: Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005). Zwiesel, 2005.





