Autor: Pfarrer

  • Pfarrfriedhof Bodenmais

    Pfarrfriedhof Bodenmais

    Im 18. Jahrhundert wurde der alte Friedhof in Bodenmais zu klein – viele Gräber lagen zu dicht, es herrschte großer Unmut. Einen neuen Friedhof außerhalb des Dorfes schlagen die Pfarrer vor, doch die Menschen kämpfen dagegen.

    Von aufmüpfigen Bauern und einem Friedhofs-Streit

    Pfarrfriedhof Bodenmais

    Der alte Friedhof platzt aus allen Nähten

    Im 18. Jahrhundert platzte der alte Friedhof in Bodenmais aus allen Nähten. Direkt neben der Kirche gelegen, war er romantisch, aber völlig überfüllt. Tote mussten nach wenigen Jahren wieder ausgegraben werden – oft noch nicht verwest. Der Pfarrer schlug Alarm: Das sei untragbar und gesundheitsgefährdend. Ein neuer Friedhof außerhalb des Dorfes wurde geplant.

    Widerstand gegen das „Moos“

    Doch das Bodenmaiser Volk hatte seine eigene Meinung. Die Menschen wollten ihre Verstorbenen nicht „ins Moos“ schicken. Die Nähe zur Kirche, der Respekt vor den Vorfahren – all das war ihnen wichtiger als hygienische Bedenken. Es kam zu Aufruhr: Der neue Friedhof wurde boykottiert, es kam zu Spott, Ungehorsam und sogar offenen Beerdigungsverweigerungen. Die Gemeinde bestand darauf, dass ihre Toten bei den Ahnen bleiben sollten.

    Ein Neubeginn beim Fürstenbauern

    Die erste Verlegung scheiterte, denn das Gelände war zu nass. Man munkelte sogar, es sei absichtlich geflutet worden. Erst ein weiterer Friedhof an besserer Stelle, auf einem getauschten Acker beim „Fürstenbauern“, wurde mit Jubel angenommen und 1790 feierlich eingeweiht.

    Erinnerung in der Sprache

    Lange Zeit haben alte Bodenmaiser nicht vom Friedhof gesprochen, sondern gesagt: „Der liegt hinterm Fürstenbauern-Stadel“: ein lebendiger Ausdruck für die enge Verbindung zwischen Dorf, Landschaft und Erinnerung.

    Quellen:
    Haller, Reinhard: „Der Ehre Gottes und denen bei unserm Bergwerk befindlichen Werkleuten zu Trost und Nutz …“ – Filialkirche–Bergkaplanei–Pfarrei Bodenmais (1531–1804). Band I: „Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005“. Hrsg. vom Bodenmaiser Bauerntheater. Bodenmais: Bodenmaiser Bauerntheater, 2004.
    Haller, Reinhard: „… und überdies gegen Niedergang der Sonne gebaut“. 200 Jahre Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1805–2005). Mit einer Geschichte der Pfarrei Bodenmais (1805–2005). Ergänzt durch Beiträge von Josef Geiger jun. und Diakon Josef Schlecht. Vorwort von Renate Weikl, Nachwort von Pfarrer Josef Schmaderer. (Band III: Bodenmaiser Pfarrjubiläen 2005). Zwiesel, 2005.

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  • Friedhofskircherl St. Johannes Baptist

    Friedhofskircherl St. Johannes Baptist

    Dieses liebevoll „Friedhofskircherl“ genannte Gotteshaus steht direkt am Friedhof und lädt ein, der Geschichte und der Hoffnung nachzuspüren.

    Lasse die Glocke des Friedhofskircherl läuten

    Geweiht 1826

    Wer durch Bodenmais schlendert und den alten Friedhof besucht, stößt auf eine kleine Kirche mit großem Charakter: die Friedhofskapelle „St. Johannes der Täufer“. Im Volksmund wird sie „Friedhofskircherl“ genannt. Sie wurde 1826 geweiht, doch ihre Ursprünge reichen wahrscheinlich bis ins ausgehende 18. Jahrhundert zurück – als der Friedhof an seinen heutigen Ort verlegt wurde.

    Gottesdienste

    Ursprünglich diente sie als Kapelle für Beisetzungen und stille Messen für Verstorbene, doch bald wurde sie zum festen Bestandteil des religiösen Lebens in Bodenmais. Im Sommer fanden hier wöchentliche Gottesdienste statt. Besonders der Johannistag am 24. Juni war ein Feiertag, den die Gemeinde mit einer feierlichen Messe im „Seelenkircherl“ beging.

    Barocke Pietà

    Der Innenraum birgt echte Schätze: Ein barocker Altar mit einer Pietà aus dem 18. Jahrhundert, die ursprünglich in der Pfarrkirche stand. Sie ersetzt die Figur des Heiligen Johannes des Täufers, die dort bis 1924 stand. Auch zwei kleine Glocken aus Passau, gestiftet von frommen Gemeindemitgliedern, gehörten einst zur Ausstattung.

    Kreuzweg

    Bemerkenswert sind die 14 barocken Kreuzwegbilder, die 2006/2007 durch private Spenden renoviert wurden.

    Ort des Gedenkens

    Die kleine Kirche war auch der Ort der Erinnerung an diejenigen, die fern der Heimat ihr Leben ließen und nicht in Bodenmais bestattet werden konnten. Steinerne Gedenktafeln erinnern an die Verstorbenen: Den Fuhrmann Johann Evangelist Weinfurtner etwa, der 1840 vom „Schlagfluß getroffen“ in der Nähe von Sulzbach verstarb: „Darum, o Mensch an jedem Tag denk an den letzten Glockenschlag / Denn heute bist du frisch und rot und Morgenfrüh vielleicht schon tot.“

    (Quelle: Haller, Reinhard, Geschichte der Pfarrei Bodenmais. Band 2, 2005, 94ff)

  • Sühnelinden

    Sühnelinden

    Hier am Eingang zum Friedhof standen bis 2011 zwei stattliche Linden – gepflanzt als Sühne für einen Streit.

    „Soll er doch heruntergehen!“

    Johann Baptist Haller (1809-1894) während der Predigt des Pfarrers.

    Wie es zu den Sühnelinden kam

    Von der Geschichte dieser Linden erzählt 1972 der Bodenmaiser Johann Haller:

    An einem Barbara-Tag hat der Pfarrer von der Kanzel herabgepredigt: „Warum beschweren sich die Bergleute immer, sie haben doch einen guten Verdienst und fehlt ihnen nichts. Sollen sie doch zufrieden sein!“ Mein Großvater Johann hat sich das lange angehört, dann hat er sich geräuspert und hat zum Pfarrer hinaufgeschrien: Er solle doch heruntergehen und sich auf seinen Kirchenstuhl setzen und dafür werde er auf die Kanzel hinaufsteigen und recht gescheit herunterschmatzen!

    Nach dem Gottesdienst hat der Pfarrer meinen Großvater in den Pfarrhof zitiert und ihm als Strafe aufgegeben, dass er am Friedhof draußen zwei Bäume pflanzen muss. Das hat er auch getan.   

    (Quelle: Haller, Reinhard, Geschichte der Pfarrei Bodenmais. Band 2, 2005, 119)