Am schönsten…

erleben Sie unsere Stationen direkt vor Ort mit dem Smartphone.
Natürlich können Sie die Inhalte aber auch hier am Bildschirm entdecken.

Seltene Steine aus vergangener Zeit

Tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist.

Psalm 90

Vergessene Besonderheit

Lange Jahre war dieser Grabstein unbeachtet. Es drohte sogar der Abbau, denn diese Grabstelle ist seit vielen Jahren unbelegt. Unbekannt ist auch, wer ihn ursprünglich anschaffen ließ. Schließlich wies der Archäologe Karl Schmotz die Friedhofsverwaltung darauf hin, dass es sich bei diesem und einem weiteren Grabstein um eine Besonderheit handelt: Einen liegenden klassizistischen Grabstein aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert.
Schmotz konnte bislang 143 Exemplare in Ostbayern und im westlichen Innviertel dokumentieren.

Seltene Grabform

Diese seltene Grabform war einst in Teilen Niederbayerns, der Oberpfalz und des westlichen Innviertels (Österreich) verbreitet. Aus Granit gefertigt und mit Symbolen wie Kreuzen, Totenköpfen oder Girlanden geschmückt, erinnern sie an antike Sarkophage und spiegeln den Stil des Klassizismus wider. Namen oder Daten waren oft auf kleinen Eisenkreuzen angebracht, die heute meist verschwunden sind. Auch bei diesem Grab war das Kreuz verschwunden. Pfarrer Alexander Kohl ließ 2019 ein neues Kreuz vom Schmiedemeister Haslmayr, Ruhmannsfelden, anfertigen.

Zeichen von Wohlstand

Solche Steine waren einst Ausdruck von Würde und Wohlstand. Leisten konnten sich so einen Stein nur reiche Handwerker und Bürger. Heute sind sie wertvolle Zeugnisse einer fast vergessenen Bestattungskultur.

Vergänglichkeit

Die Grabsteine erinnern an die Vergänglichkeit jedes Menschenleben. Meisterhaft beschreibt das Psalm 90:

O Herr, du warst uns Wohnung von Geschlecht zu Geschlecht. Ehe geboren wurden die Berge, ehe du unter Wehen hervorbrachtest Erde und Erdkreis, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück! Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht. Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.

Quelle: Karl Schmotz: Liegende Grabsteine – Klassizistische Grabsteine. Zeugen einer vergessenen Sepulkralkultur. In: Maximilian Ontrup (Hrsg.), Festschrift für Andreas Boos. In und um Regensburg. Regensburg 2019, S. 218–229.